Sensorsystem zur automatisierten Bewegungsanalyse

Mobilität ist ein entscheidender Faktor, der die individuelle Lebensqualität eines Menschen bestimmt, sowohl bei Gesunden als auch bei Patienten mit motorischen Einschränkungen wie dem Parkinson Syndrom. Die Bewegungsfähigkeit, vor allem beim Gehen, dient als wichtiger Hinweis für die Diagnostik von Morbus Parkinson. Die Erfassung der motorischen Einschränkungen bei diesem Krankheitsbild mittels Unified Parkinson´s Disease Rating Scale und die Stadieneinteilung nach Hoehn &Yahr erfolgt rein subjektiv mit bloßem Auge auf Basis der Erfahrungen des Neurologen und auf Basis einer Momentaufnahme im klinischen Umfeld.

Um dem Neurologen eine objektive und kontinuierliche Datenbasis zur Verfügung zu stellen, entwickeln die Projektpartner ASTRUM IT, die Abteilung Molekulare Neurologie des Universitätsklinikums Erlangen und der Lehrstuhl für Mustererkennung der Universität Erlangen-Nürnberg gemeinsam ein mobiles Sensorsystem zur automatisierten Bewegungsanalyse. Das Sensorsystem dient der Diagnostikunterstützung, dem Therapiemonitoring des Patienten im häuslichen Umfeld und der Unterstützung von klinischen Studien.

Das System liefert Daten, mit deren Hilfe es möglich ist, aus den aufgezeichneten Gangsignalen eines Parkinsonpatienten dessen Bewegungsstörung frühzeitig zu erkennen und objektiv zu beurteilen. Ziel des Systems zur objektiven, mobilen Bewegungsanalyse ist somit eine verbesserte Versorgung von Patienten in allen Erkrankungsstadien des Parkinson-Syndroms.  Entscheidend dabei ist: Das Sensorsystem beantwortet nicht nur die Frage nach dem "WIEVIEL bewegt sich ein Patient", sondern vor allem die Frage nach der Qualität der Bewegung, also nach dem „WIE".

Forschungsbeginn Februar 2012 

Das Sensorsystem wird von den Partnern im Rahmen des Forschungsprojekts „eGaIT - Embedded Gait Analysis using Intelligent Technology“ entwickelt. Gefördert wird das Vorhaben von der Bayerischen Forschungsstiftung.

Bisher wurden Daten von über 400 Parkinson Patienten und Kontrollgruppen erhoben. Alle Probandendaten werden im Rahmen der Untersuchungen in der Spezialambulanz für Bewegungsstörungen des Universitätsklinikums Erlangen sowie bei externen medizinischen Partnern aufgezeichnet. Standardisierte Bewegungstests und normale Gangsequenzen werden analysiert und die gemessenen Bewegungen mit den Diagnosen der Bewegungsspezialisten verglichen. Aus den biometrischen Rohdaten werden anschließend über 700 Merkmale extrahiert und mit mathematischen Verfahren der Mustererkennung analysiert. Einzelne Patienten- oder Kontrollpopulationen können somit klassifiziert werden.

Mit dem Konzept der rechnergestützten biometrischen Ganganalyse liefert das Projektkonsortium Lösungen für unterschiedliche Gesundheitsfragestellungen. So werden Möglichkeiten für neue Versorgungsstrukturen bei der Diagnose und Therapie des Parkinson-Syndroms sowie bei weiteren medizinischen Fachbereichen (Orthopädie, Unfallchirurgie, Rehabilitation etc.) geschaffen. Die Behandlung des Patienten wird durch die Erhebung objektiver Langzeitdaten qualitativ optimiert. Das Projekt trägt maßgeblich dazu bei, dass sich in Erlangen und Umgebung (Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg) ein deutschlandweit einzigartiger Kompetenzschwerpunkt in den Bereichen Sensorikintegration und Sensorikvernetzung bildet.

Gefördert durch: